Samstag, 19. September 2009

E3 - Pamplona

Larrasoaina bis Pamplona (km 67)
15km, 3 Std, 6E Herberge, 6E Wäsche, 10 E Essen

Heute bin ich mal nicht alleine unterwegs: der ältere Herr von gestern hat in etwa den gleichen Schritt drauf und macht auch nicht gerne Pause. Josef "Jupp" Miller aus der Gegend um Ulm oder um Ulm herum :-) ist auch schon ein paar Marathons gerannt, also haben wir schon mal genügend Gesprächsstoff. Dazu ist er auch noch Imker, und er hat ein spezielles "Problem": seine Wohngemeinde weiss, dass er auf dem Jakobsweg ist, der Bürgermeister hat ihn persönlich verabschiedet und alle Welt erwartet nun von ihm einen erhebenden Vortrag mit spektakulären Bildern und natürlich Geschichten über Erscheinungen, Wunder, Entbehrungen. Dadurch fühlt er sich etwas gestresst. Er will an bestimmten, fotografisch ergiebigen Orten früh genug ankommen, um noch genügend Licht für gute Bilder zu haben. Wie niedrig sind dagegen meine Beweggründe für flottes Gehen: ich will einfach genügend Toilettenpapier und warmes Wasser haben. Aber die Verschiedenheit der Beweggründe ist auf dem Camino egal. Wir haben das gleiche Tempo, und nur das zählt fürs Zusammengehen.


Auf einer der zahlreichen Brücken unterwegs


Auch heute regnet es zwischendurch, aber bei weitem nicht mehr so heftig. Die Strecke besteht aber immer noch zu einem grossen Teil aus Staubstrassen, sagt mein Buch, doch bei dem Wetter staubt es nicht, es pflotscht. Meine günstigen Salomon Schuhe halten tatsächlich dicht, ich muss nur aufpassen, dass von oben kein Wasser hineinrinnt. Daran denken viele nicht und wundern sich, dass sie in ihren Hightechlatschen trotzdem nass werden. Und nasse Füsse sind tödlich: Blasen sind dann praktisch garantiert. Meine in letzter Minute noch gekauften Regenhosen habe ich von der Länge her so ausgewählt, dass sie wie Gamaschen haargenau die Schuhe abdecken, ohne dass ich auf die Hosenbeine stehe. Sie haben Seitenreissverschlüsse für einfach(er)es An- und Ausziehen. Und sie funktionieren: immer wenn ich sie anziehe, stoppt der Regen auf :-) Wenn ich sie ausziehe, regnet es wieder. Also versuche ich einen gutschweizerischen Kompromiss: ich lasse sie an, öffne aber den Reissverschluss von unten bis über die Knie. Sieht ein bisschen beknackt aus. Und um die Mitpilger (wir sehen zwar heute nicht allzu viele. Wo die alle stecken? Wohl zu fein für den Regen?) vollends zum Kopfschütteln zu animieren, habe ich mir einen kleinen, billigen, schwarzen Knirps-Schirm gekauft, zum Testen. Funktioniert für mich prächtig: mein Kopf bleibt an der frischen Luft, ich habe gute Sicht und mein Gehör wird nicht durch eine Kapuze beeinträchtigt. Ich kann in anstrengenden Aufstiegen, und solche hat's doch heute einige, sogar die Jacke oben ein Bisschen öffnen. Ein weiterer Vorteil: ich kann, im Gegensatz zu Jupp mit seiner Pelerine, unterwegs auch mal ein Buch öffnen oder etwas Kleines essen, ohne dass alles nass wird. Mich stört es auch nicht, das ich die Hände für Stöcke dann nicht frei habe. Ich habe nur einen, und selbst den brauche ich nicht wirklich. Die meisten sind mit zwei Stöcken unterwegs, das sei eine grosse Hilfe, vor allem bei steilen Abstiegen. Mir ist meiner vor allem bei steilen Abstiegen und in unwegsamem Gelände eher im Weg. Ich habe mir das Ding vor allem als Schutz gegen die berühmten wilden Hunde gekauft, habe bis jetzt aber noch keine gesehen.



Mein Hab und Gut vor der Paderborner Herberge, Pamplona

Die Etappe ist zwar schwieriger als im Buch beschrieben, aber sehr kurz, und so kommen wir bereits vor 10 Uhr bei der Herberge der Paderborner Gesellschaft (gleich nach der Brücke Stadteingang links, ca. 300 Meter) in Pamplona an. Sie öffnet zwar erst nachmittags, aber man kann bereits den Rucksack deponieren. Man muss übrigens früh dort sein, die Herberge ist bekannt und beliebt. Als wir zum 'Einchecken' kurz zurückkamen, wurden schon die ersten Pilger an die städtische Herberge verwiesen, und da war es erst kurz nach Mittag!



Mein 'Läuferkollege' aus Ulm (oder um Ulm herum...)

Wir putzen kurz die Schuhe, hängen etwas Wäsche an die Leine, geben den Rest unserer Klamotten als Sammelbestellung an die Herbergsmutter, die das Zeugs für uns wäscht und trocknet und ziehen los zu einer ersten Stadtbesichtigung. Das Gehen ohne Rucksack ist nur im ersten Moment erleichternd: nach einer Stunde Spazieren in Turnschuhen ohne Ballast habe ich schon Rückenschmerzen! Die Altstadt mit dazugehöriger Burganlage (?) hat etwas Malerisches, auch wenn wir die relative Hektik und den Lärm bereits nicht mehr gewohnt sind. Aber es gibt an jeder Ecke ein (offenes) Restaurant, wovon wir ausführlich Gebrauch machen.


Feststimmung in Pamplona


In Pamplona wäre eigentlich der erste Ruhetag geplant gewesen. Aber die Etappe selber war ja schon ein Ruhetag: ganze 15km lang, vor 10 Uhr schon am Ziel und den ganzen Tag zum Herumhängen, Erholen. Ich fasse den Entschluss, morgen weiter zu laufen, entgegen meiner Philosophie, dass man Ruhetage einbauen soll, solange man sie freiwillig machen kann. Und nichts gegen Jupp, seine Gesellschaft war sehr angenehm, aber morgen brauche ich etwas Ruhe.

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